Inhaltsverzeichnis
- Warum Werbeversprechen bei Hundefutter so überzeugend wirken
- Was dürfen Hersteller über Hundefutter versprechen?
- Was bedeutet „Premium“ bei Hundefutter?
- Ist „natürliches Hundefutter“ automatisch besser?
- Ist getreidefreies Hundefutter grundsätzlich hochwertiger?
- Was bedeuten Aussagen wie „mit Huhn“ oder „reich an Huhn“?
- Was sagt ein hoher Fleischanteil über Hundefutter aus?
- Warum die Zutatenliste allein nicht ausreicht
- Worauf du bei Hundefutter stattdessen achten kannst
- Du möchtest wissen, ob das Futter wirklich zu deinem Hund passt?
„Premium“, „natürlich“, „getreidefrei“ oder „mit viel Fleisch“: Auf Hundefutterverpackungen finden sich viele Begriffe, die sofort nach Qualität und gesunder Ernährung klingen. In diesem Artikel zeige ich dir, warum du diese Begriffe kritisch hinterfragen solltest und was hinter typischen Werbeversprechen bei Hundefutter steckt.
Warum Werbeversprechen bei Hundefutter so überzeugend wirken
Beim Kauf von Hundefutter musst du viele Informationen einordnen. Die Verpackung soll dir dabei vermitteln, wodurch sich das Produkt von anderen Futtermitteln unterscheidet.
„Premium“ klingt nach besonders hoher Qualität, „natürlich“ nach einer ursprünglichen Zusammensetzung. Der Hinweis „getreidefrei“ kann den Eindruck erwecken, dass auf einen grundsätzlich problematischen Bestandteil verzichtet wurde. Ein hervorgehobener Fleischanteil und Bilder von Fleisch, Gemüse oder Kräutern lassen die Rezeptur besonders frisch und ausgewählt erscheinen.
Solche Botschaften lassen sich leichter erfassen als eine Zutatenliste oder die analytischen Bestandteile. Das Problem ist nicht unbedingt, dass sie falsch sind. Sie können aber unsere Einschätzung des gesamten Futters beeinflussen, obwohl sie nur eine einzelne Eigenschaft hervorheben.
Was dürfen Hersteller über Hundefutter versprechen?
Hersteller können auf einer Verpackung nicht völlig frei behaupten, was sie möchten. Angaben über Eigenschaften, Zusammensetzung oder Wirkung müssen nachvollziehbar sein und dürfen Käuferinnen und Käufer nicht täuschen.
Der in der Europäischen Union anerkannte FEDIAF-Kennzeichnungskodex konkretisiert viele dieser Vorgaben für Heimtierfutter. Er beschreibt beispielsweise, unter welchen Voraussetzungen Begriffe wie „natürlich“ oder „frisch“ verwendet werden können und welche Mengen hinter bestimmten Zutatenangaben stehen sollen.
Trotzdem ist eine zulässige Werbeaussage noch keine ernährungsphysiologische Bewertung. Ein Futter kann vollkommen korrekt als „getreidefrei“ bezeichnet werden. Damit weißt du aber nur, dass kein Getreide enthalten ist, nicht, wodurch es ersetzt wurde oder wie die gesamte Rezeptur zusammengesetzt ist. Auch „mit Huhn“ kann korrekt sein, obwohl nur ein kleiner Teil der verwendeten Zutaten vom Huhn stammt. Eine Werbeaussage kann also richtig sein und trotzdem nur einen sehr begrenzten Teil des Futters beschreiben.
Was bedeutet „Premium“ bei Hundefutter?
Die Bezeichnung „Premium“ vermittelt, dass ein Produkt gegenüber gewöhnlichem Hundefutter besonders hochwertig ist. Im Futtermittelrecht ist damit jedoch keine einheitliche Qualitätsstufe mit festgelegten Anforderungen verbunden. Der Begriff garantiert weder einen bestimmten Fleischanteil noch eine besonders hohe Verdaulichkeit oder eine festgelegte Nährstoffzusammensetzung. Auch darüber, ob das Futter zu einem bestimmten Hund passt, sagt er nichts aus.
Was ein Hersteller unter „Premium“ versteht, kann sich daher von Produkt zu Produkt unterscheiden. Manchmal bezieht sich der Begriff auf einzelne Zutaten oder das Herstellungsverfahren, manchmal beschreibt er vor allem die Position des Futters im eigenen Sortiment.
Auch ein höherer Preis beweist nicht automatisch, dass ein Futter den individuellen Bedarf deines Hundes besser erfüllt. Deshalb solltest du „Premium“ nicht als fachliches Prüfsiegel verstehen.
Ist „natürliches Hundefutter“ automatisch besser?
Der Begriff „natürlich“ wird schnell mit gesund, ursprünglich und wenig verarbeitet verbunden. Bei Hundefutter hat er jedoch eine deutlich engere Bedeutung. Er beschreibt vor allem, woher bestimmte Zutaten stammen und wie sie verarbeitet wurden. Nach dem FFEDIAF-Kennzeichnungskodex können unter anderem Zerkleinern, Trocknen, Gefrieren oder Pasteurisieren mit der Bezeichnung vereinbar sein. „Natürlich“ bedeutet daher nicht, dass ein Futter unverarbeitet ist.
Auch zugesetzte Vitamine und Mineralstoffe schließen eine solche Werbung nicht grundsätzlich aus. In diesem Fall muss die Formulierung entsprechend ergänzt werden, beispielsweise mit dem Hinweis, dass Vitamine und Mineralstoffe zugesetzt wurden. Gerade bei einem Alleinfuttermittel können solche Ergänzungen notwendig sein, damit der Hund zuverlässig mit allen benötigten Nährstoffen versorgt wird.
Der Begriff „natürlich“ sagt deshalb noch nichts darüber aus, ob ein Futter bedarfsdeckend, gut verträglich oder für deinen Hund besonders geeignet ist.
Ist getreidefreies Hundefutter grundsätzlich hochwertiger?
„Getreidefrei“ bedeutet zunächst nur, dass das Futter keine als Getreide eingeordneten Zutaten enthält. Der Begriff sagt nicht aus, welche Zutaten stattdessen verwendet werden.
In getreidefreien Futtermitteln können beispielsweise enthalten sein:
- Kartoffeln,
- Süßkartoffeln,
- Erbsen,
- Linsen,
- Kichererbsen,
- Tapioka,
- oder andere pflanzliche Stärke- und Faserquellen.
Getreidefrei bedeutet daher nicht automatisch kohlenhydratfrei oder besonders fleischreich.
Getreide ist für Hunde nicht grundsätzlich ungeeignet. Gut aufgeschlossene Stärke kann verdaut und als Energiequelle genutzt werden. Wie gut ein Hund mit einem Futter zurechtkommt, hängt jedoch nicht nur von einer einzelnen Zutat ab, sondern unter anderem von ihrer Verarbeitung, der eingesetzten Menge und der gesamten Rezeptur.
Eine pauschale „Getreideunverträglichkeit“ ist keine sinnvolle Diagnose. Hunde können jedoch auf einzelne Bestandteile oder Proteine reagieren, die in einer bestimmten Getreideart enthalten sind. Dazu kann beispielsweise Weizen gehören.
Ein getreidefreies Futter kann sinnvoll sein, wenn ein Hund einen bestimmten Bestandteil nicht verträgt und dieser gezielt vermieden werden soll. Dabei muss jedoch genau unterschieden werden: Eine Reaktion auf eine konkrete Getreideart bedeutet nicht automatisch, dass sämtliche Getreidearten unverträglich sind.
Wenn du Hundefutter besser verstehen möchtest, empfehle ich dir meinen 30-minütigen Onlinevortrag „Hundefutterverstehen“.
Was bedeuten Aussagen wie „mit Huhn“ oder „reich an Huhn“?
Wird eine bestimmte Zutat auf der Verpackung besonders hervorgehoben, muss ihr Anteil in der Zusammensetzung angegeben werden. Die EU-Verordnung selbst legt jedoch nicht fest, wie viel Huhn beispielsweise hinter Formulierungen wie „mit Huhn“ oder „reich an Huhn“ stecken muss.
Der freiwillige FEDIAF-Kennzeichnungskodex dient Herstellern und Kontrollbehörden als anerkannte Orientierungshilfe. Darin werden typische Bezeichnungen folgendermaßen eingeordnet:
- „mit Huhn“: mindestens 4 Prozent Futtermittelausgangserzeugnisse vom Huhn,
- „reich an Huhn“: mindestens 14 Prozent,
- „Huhn-Menü“ oder eine vergleichbare Bezeichnung: mindestens 26 Prozent.
Ein Futter mit der Aufschrift „mit Huhn“ kann daher lediglich einen vergleichsweise kleinen Anteil vom Huhn enthalten. Entscheidend ist, welcher Anteil tatsächlich in der Zusammensetzung angegeben wird. „Vom Huhn“ bedeutet außerdem nicht automatisch, dass ausschließlich Muskelfleisch verarbeitet wurde. Die Angabe nennt zunächst die Tierart. Welche Bestandteile des Huhns tatsächlich enthalten sind, lässt sich nur erkennen, wenn sie in der Zusammensetzung genauer benannt werden.
Allgemeine Bezeichnungen wie „tierische Bestandteile“ oder „tierische Nebenerzeugnisse“ liefern deshalb nur begrenzte Informationen. Allein anhand dieser Begriffe lassen sich Qualität und Verdaulichkeit nicht zuverlässig beurteilen.
Deshalb solltest du bei hervorgehobenen Fleischangaben genauer hinschauen:
- Worauf bezieht sich die angegebene Prozentzahl genau?
- Welche Tierart und welche Bestandteile werden tatsächlich genannt?
- Bezieht sich die auffällige Zahl auf das gesamte Futter oder nur auf einen Teil der Rezeptur?
Was sagt ein hoher Fleischanteil über Hundefutter aus?
Ein hoher Anteil tierischer Zutaten kann für die Beurteilung eines Futters interessant sein. Die Prozentzahl allein reicht aber nicht aus. Muskelfleisch, Leber, Herz, Lunge, Fettgewebe und bindegewebsreiche Bestandteile unterscheiden sich deutlich in ihrer Nährstoffzusammensetzung. Entscheidend ist deshalb auch, welche Teile verarbeitet wurden.
Außerdem muss die gesamte Rezeptur betrachtet werden. Ein hoher Fleischanteil sagt noch nicht, ob Mineralstoffe, Spurenelemente und Vitamine in passender Menge enthalten sind oder ob das Verhältnis der einzelnen Nährstoffe zueinander stimmt.
Auch mehr Fleisch bedeutet nicht zwangsläufig, dass ein Futter ausgewogener oder besser verträglich ist. Je nachdem, welche Bestandteile verarbeitet wurden, kann ein Futter beispielsweise sehr proteinreich, fettreich oder energiereich sein. Ob das zum Hund passt, hängt unter anderem von seinem Energiebedarf, seiner Verdauung und möglichen Erkrankungen ab.
Hunde benötigen ausreichend Protein und vor allem die für sie essenziellen Aminosäuren. Diese können aus tierischen und pflanzlichen Proteinquellen stammen. Entscheidend sind die eingesetzte Menge, das Aminosäuremuster, die Verdaulichkeit und die Zusammensetzung der gesamten Ration – nicht das Werbeversprechen eines möglichst hohen Fleischanteils.
Falls du dich für eine vegetarische oder vegane Hundeernährung interessierst, habe ich hier noch zwei Beiträge für dich:
Vegane und vegetarische Hundeernährung: Was sagen Studien? und Kann ich meinen Hund vegetarisch ernähren – sinnvoll oder riskant?
Warum die Zutatenliste allein nicht ausreicht
Eine ausführliche und transparente Zutatenliste kann dir helfen, ein Futter besser zu verstehen.
Zudem sagt eine ansprechend klingende Zutat wenig über ihre eingesetzte Menge aus, wenn keine Prozentangabe vorhanden ist. Kräuter, Beeren oder Gemüse können auf der Verpackung optisch stark hervorgehoben werden, obwohl sie nur einen sehr kleinen Anteil des Futters ausmachen. Die Zutatenliste ist wichtig. Sie ist aber nur ein Teil der Bewertung.
Worauf du bei Hundefutter stattdessen achten kannst
Statt dich auf ein einzelnes Werbeversprechen zu verlassen, solltest du mehrere Informationen gemeinsam betrachten.
1. Handelt es sich um ein Alleinfuttermittel?
Ein Alleinfuttermittel ist dafür vorgesehen, den Nährstoffbedarf eines Hundes bei ausschließlicher Fütterung und angemessener Futtermenge grundsätzlich zu decken. Ein Ergänzungsfuttermittel erfüllt diese Funktion dagegen nicht allein. Es muss mit weiteren Futtermitteln kombiniert werden.
Was die Bezeichnung Alleinfuttermittel genau bedeutet und welche Grenzen sie hat, habe ich in einem eigenen Beitrag ausführlich erklärt.
2. Wie transparent ist die Zusammensetzung?
Prüfe, ob die Zutaten einzeln oder nur in größeren Kategorien angegeben werden. Prozentangaben können besonders hilfreich sein, wenn einzelne Zutaten auf der Vorderseite hervorgehoben werden. Eine offene Deklaration macht ein Produkt leichter nachvollziehbar.
3. Welche analytischen Bestandteile sind angegeben?
Rohprotein, Rohfett, Rohfaser, Rohasche und Feuchtigkeit liefern erste Informationen über die Zusammensetzung.
Sie geben jedoch nur eine grobe Orientierung. Aus dem Rohproteingehalt lässt sich beispielsweise nicht direkt auf die Qualität oder Verdaulichkeit des enthaltenen Proteins schließen. Auch eine vollständige Nährstoffversorgung ist anhand dieser Werte allein nicht erkennbar.
4. Welche Zusatzstoffe werden genannt?
Zugesetzte Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente sind nicht grundsätzlich negativ. Sie können notwendig sein, um die Rezeptur bedarfsdeckend zu ergänzen.
5. Wie viel Energie liefert das Futter?
Zwei Futtermittel können auf den ersten Blick ähnlich wirken und trotzdem eine deutlich unterschiedliche Energiedichte besitzen. Dadurch kann sich die passende Futtermenge erheblich unterscheiden.
Die Fütterungsempfehlung auf der Verpackung ist dabei nur ein Ausgangspunkt. Der tatsächliche Energiebedarf hängt unter anderem von Gewicht, Alter, Aktivität, Kastrationsstatus und individueller Stoffwechsellage ab.
6. Passt das Futter zu deinem Hund?
Am Ende ist nicht das überzeugendste Werbeversprechen entscheidend, sondern die Frage, wie dein Hund mit dem Futter zurechtkommt und ob seine Versorgung passt.
Dabei können unter anderem eine Rolle spielen:
- Alter und Lebensphase,
- Körpergewicht und Körperzustand,
- Aktivität,
- Erkrankungen,
- individuelle Verträglichkeit,
- Fressverhalten,
- sowie die gefütterte Menge und zusätzliche Snacks.
Ein grundsätzlich sinnvoll zusammengesetztes Futter kann trotzdem nicht zum einzelnen Hund passen. Umgekehrt muss ein Futter weder besonders teuer sein noch jedem aktuellen Ernährungstrend entsprechen, um einen Hund zuverlässig zu versorgen.
Du möchtest wissen, ob das Futter wirklich zu deinem Hund passt?
Beim Futtercheck und der Rationsüberprüfung schaue ich nicht nur auf einzelne Zutaten oder Werbeversprechen. Ich prüfe die aktuelle Fütterung deines Hundes: die Futtermenge und Energiedichte ebenso wie Protein, Fett, Mineralstoffe, Spurenelemente und Vitamine.
So erhältst du eine fachlich begründete, herstellerunabhängige und verständliche Einschätzung.
Fotocredit: Outsideclick pixabay


