Kein Hund muss perfekt sein

Manchmal habe ich das Gefühl, von (angehenden) Hundetrainer:innen wird erwartet, dass ihre Hunde immer ruhig sind, zuverlässig hören, nie bellen und jede Alltagssituation souverän meistern. Also quasi den „perfekten“ Hund. Als wäre das der Beweis dafür, dass man fachlich gut arbeitet.

Hach, wenn das doch so einfach wäre.

Auch wir kennen diese Momente

Auch wir (angehenden) Hundetrainer:innen leben mit unseren Hunden im ganz normalen Alltag. Und natürlich kennen wir die Spaziergänge, die anders laufen als geplant: Der eigene Hund bellt plötzlich, bleibt stehen oder findet etwas gruselig, was gestern noch kein Problem war. Manchmal kann er in einer Situation einfach nicht so reagieren, wie wir es uns gewünscht hätten.

Wir kennen dieses Ziehen im Bauch, wenn andere Menschen schauen, und den Gedanken: „Hätte ich das besser lösen müssen?“ Auch Sorge, Unsicherheit, Frust oder Scham gehören manchmal dazu. Genauso wie Freude, Stolz und das Bedürfnis, dem eigenen Hund gerecht zu werden.

Und ja, auch wir machen Fehler und konditionieren vielleicht mal unbewusst Verhalten, das wir nicht so toll finden. Das passiert, wir sind alles nur Menschen.

Ein Hund ist kein Aushängeschild

Für mich bedeutet Hundetraining nicht, einen Hund zu haben, der immer „funktionieren“ muss. Und auch nicht einen Menschen zu schulen, der immer perfekt sein muss. Und natürlich auch keine/n perfekten Hundetrainer:in.

Ein Hund ist kein Aushängeschild und kein Beweisstück für Kompetenz. Er ist ein Lebewesen mit eigener Persönlichkeit, Wahrnehmung, Tagesform und eigenen Grenzen. Ich liebe Hunde mit Charakter.

Gerade deshalb finde ich den Gedanken schwierig, dass ein Hund möglichst „perfekt“ wirken muss, damit seine Bezugsperson als kompetent gilt. Diese Erwartung macht Druck. Auf Menschen, aber auch auf Hunde. Sie lässt wenig Raum für Entwicklung, Bedürfnisse und die Frage, was hinter einem Verhalten steckt.

Auch meine Hunde dürfen unsicher sein. Sie dürfen Entwicklung brauchen. Sie dürfen Themen haben. Und auch wir (angehenden) Hundetrainer:innen dürfen Fehler machen, denn wir sind auch nur Hundehaltende, die emotional involviert sind und tagtäglich mit ihren Hunden zusammenleben.

Kompetenz zeigt sich nicht in Perfektion

Kompetenz zeigt sich für mich darin, wie wir damit umgehen: Schauen wir hin und bleiben fair? Fragen wir uns, was unser Hund gerade braucht, statt ein Verhalten einfach nur wegmachen zu wollen? Und können wir akzeptieren, dass Entwicklung Zeit braucht?

Für mich liegt genau darin der Kern guten Hundetrainings: hinschauen, das eigene Handeln reflektieren und gemeinsam weiterlernen.

Hundetraining auf Augenhöhe

Vielleicht ist es sogar hilfreich, wenn wir als (angehende) Hundetrainer:innen diese Gefühle selbst kennen. Denn dadurch können wir andere Menschen auf Augenhöhe begleiten.

Ich weiß, wie es sich anfühlen kann, wenn der eigene Hund draußen unsicher ist, plötzlich losbellt und man schräg angeschaut wird. Manchmal wünscht man sich einfach mehr Leichtigkeit und vergleicht sich, obwohl man es eigentlich besser weiß. Ich weiß aber auch, wie schön kleine Fortschritte sein können, die von außen vielleicht niemand sieht: ein ruhiger Blick, ein Moment der Orientierung oder ein Spaziergang, der nicht perfekt war, aber besser als letzte Woche. Das alles zählt.

Mein Blick auf Hundetraining

Deshalb verstehe ich Hundetraining nicht als Weg zu einem perfekten Hund. Es soll Hund und Mensch dabei helfen, einander besser zu verstehen, Sicherheit zu gewinnen und den gemeinsamen Alltag leichter zu bewältigen.

Hunde müssen nicht perfekt sein, um liebenswert zu sein und Menschen müssen nicht perfekt sein, um gute Hundehaltende zu sein. Mir ist ein Hund, der sich mitteilt, lieber als einer, dessen stilles Folgen vorschnell als Perfektion verstanden wird. Und wir müssen nicht perfekt sein, um sie liebevoll, fair und verantwortungsvoll zu begleiten.

Und ehrlich gesagt verstehe ich nicht, warum gerade von Hunden so oft Perfektion erwartet wird. Sie sollen immer ruhig sein, nicht bellen, jeden Hund mögen, mit jedem Kontakt haben und sich in jeder Situation problemlos anpassen. Von keinem anderen Lebewesen erwarten wir, dass es immer freundlich, ausgeglichen und verfügbar ist. Hunde dürfen Vorlieben haben, Abstand brauchen, unsicher sein, schlechte Tage haben und andere Hunde auch nicht mögen. Genau wie wir Menschen auch.

Wünscht du dir für euren Alltag mehr Verständnis und Sicherheit? Ehrliche Einblicke in meinen eigenen Alltag mit Hund findest du auch auf meinem Instakanal. Und falls du mehr über mich erfahren willst, schau hier nach.

P.S. Auch auf dem Foto stehe ich nicht perfekt. Hier hätte ich besser knien sollen. Aber so war es halt. Es ist nicht schlimm. 🙂

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