Kleine Hunde, die andere Hunde anbellen, werden schnell als „Kläffer“ bezeichnet. Oft heißt es, sie seien schlecht erzogen, verwöhnt oder hätten wegen ihrer geringen Größe besonders viel Angst. Doch so einfach lässt sich das Verhalten nicht erklären.

Ein kleiner Hund kann bellen, weil er unsicher ist und mehr Abstand braucht. Er kann frustriert sein, weil er nicht zum anderen Hund darf. Vielleicht ist er aufgeregt, möchte Kontakt aufnehmen oder erschrickt, weil der andere Hund unerwartet auftaucht. Auch Stress, territoriales Verhalten oder die Verteidigung einer wichtigen Ressource können eine Rolle spielen. Häufig wirken mehrere Faktoren zusammen.

Hinzu kommen die Erfahrungen, die dein Hund im Laufe seines Lebens gemacht hat. Er kann gelernt haben, dass Menschen auf sein Bellen reagieren, andere Hunde sich entfernen oder er anschließend aus der Situation genommen wird. Solche Lernerfahrungen müssen nicht nur aus Hundebegegnungen stammen. Auch Schmerzen, die Leine und die aktuelle Umgebung können beeinflussen, wie schnell dein Hund bellt.

Seine geringe Körpergröße ist deshalb nicht automatisch die Ursache. Sie kann aber verändern, wie dein Hund eine Begegnung erlebt, welche Möglichkeiten er hat und wie andere Hunde und Menschen mit ihm umgehen.

Das Bellen allein verrät nicht den Grund

Bellen gehört zum normalen Verhalten eines Hundes. Es dient unter anderem der Kommunikation, kann aber in sehr unterschiedlichen Situationen auftreten. Allein am Bellen kannst du deshalb nicht erkennen, was dein Hund fühlt oder erreichen möchte.

Auch zwei Hunde, die sich bellend in die Leine werfen, müssen nicht dasselbe Problem haben. Der eine möchte den anderen Hund auf Abstand halten. Der andere möchte unbedingt zu ihm und reagiert frustriert auf die Begrenzung durch die Leine. Ein dritter Hund ist bereits so gestresst, dass die Hundesichtung nur noch der letzte Auslöser für seine Reaktion ist.

Bellen kann Teil von Aggressionsverhalten sein. Es bedeutet aber nicht automatisch, dass ein Hund grundsätzlich aggressiv ist oder andere Hunde nicht mag. Für die Einschätzung ist der gesamte Zusammenhang wichtig: Was ist vorher passiert? Wie verhält sich dein Hund, sobald er den anderen Hund bemerkt? Was verändert sich bei mehr Abstand? Und welche Folgen hat sein Bellen?

Du siehst, Bellen ist nicht gleich Bellen und kann viele verschiedene Ursachen haben.

Bellen kleine Hunde tatsächlich häufiger?

Ob kleine Hunde andere Hunde häufiger anbellen als große, lässt sich anhand der bisherigen Forschung nicht eindeutig beantworten. Einige Studien zeigen jedoch Zusammenhänge zwischen geringer Körpergröße und bestimmten Verhaltensmerkmalen. Kleinere Hunde wurden von ihren Haltern häufiger als ängstlich, erregbar oder aggressiv beschrieben. Einschränkend muss erwähnt werden, dass die Untersuchungen überwiegend auf Befragungen von Hundehaltern beruhen und viele weitere Faktoren das Ergebnis beeinflussen können: Rasse, genetische Veranlagungen, Sozialisation, frühere Erfahrungen, der Umgang des Menschen und die Lebensumgebung des Hundes.

Welche Rolle spielt die geringe Körpergröße?

Ein kleiner Hund lebt nicht in einer anderen Welt als ein großer Hund. Seine Perspektive und die körperlichen Risiken können sich trotzdem deutlich unterscheiden. Wenn ein drei Kilogramm schwerer Hund von einem dreißig Kilogramm schweren Hund angerempelt, überrannt oder angesprungen wird, kann er sich ernsthaft verletzen. Es ist daher nicht automatisch unangemessen, wenn er auf einen großen und stürmischen Hund vorsichtiger reagiert.

Auch Menschen gehen mit kleinen Hunden teilweise anders um. Sie können leichter hochgenommen, festgehalten oder aus einer Situation getragen werden. Gleichzeitig werden frühe Signale kleiner Hunde häufiger übersehen oder weniger ernst genommen. Ein Knurren, Schnappen oder Bellen wirkt bei einem kleinen Hund oft weniger bedrohlich und wird deshalb eher toleriert.

In einer Untersuchung berichteten Halter kleinerer Hunde außerdem von weniger gemeinsamen Trainings- und Spielaktivitäten sowie von einem weniger konsequenten Umgang. Natürlich lässt sich daraus nicht schließen, dass alle kleinen Hunde zu wenig trainiert oder falsch behandelt werden. Es zeigt aber auch, dass die Körpergröße beeinflussen kann, welche Erfahrungen ein Hund im Alltag macht.

Kleine Hunde bellen somit nicht einfach, weil sie klein sind. Ihre Größe kann jedoch mitbestimmen, wie sie Begegnungen erleben, welche Handlungsmöglichkeiten sie haben und wie Menschen auf ihr Verhalten reagieren.

Vielleicht interessiert dich dazu auch mein Artikel Warum auch kleine Hunde Erziehung und Training brauchen.

Warum bellt mein Hund andere Hunde an?

Für das Bellen gibt es nicht den einen Grund. Selbst derselbe Hund kann in verschiedenen Situationen aus unterschiedlichen Gründen bellen. Manchmal kommen mehrere Dinge gleichzeitig zusammen.

Unsicherheit, Angst und der Wunsch nach Abstand

Ein Hund kann bellen, weil er sich durch einen anderen Hund bedroht oder bedrängt fühlt. Vielleicht möchte er ausweichen, einen größeren Bogen laufen oder sich entfernen. Kann er die Entfernung nicht selbst vergrößern, wird sein Verhalten möglicherweise deutlicher. Er fixiert, knurrt, bellt oder geht nach vorne.

Entfernt sich der andere Hund anschließend, endet die unangenehme Situation. Der Hund kann dadurch lernen, dass sein Verhalten wirksam ist. Bei späteren Hundesichtungen beginnt er möglicherweise früher zu bellen oder benötigt einen größeren Abstand.

Nicht jeder Hund, der nach vorne geht, fühlt sich dabei sicher. Auch ein unsicherer Hund kann offensives Verhalten zeigen. Das äußere Verhalten verrät daher nicht immer, wie sich der Hund in diesem Moment fühlt.

Frust, weil eine Annäherung nicht möglich ist

Manche Hunde bellen, weil sie zu einem anderen Hund möchten und daran gehindert werden. Sie ziehen nach vorne, fiepen, springen in die Leine oder werden mit abnehmender Distanz immer aufgeregter. Verhindert die Leine die Annäherung, kann Frust entstehen.

Das kommt zum Beispiel bei Hunden vor, die häufig direkten Kontakt zu anderen Hunden hatten. Wenn eine Annäherung plötzlich nicht möglich ist, fällt es ihnen möglicherweise schwer, mit dieser Begrenzung umzugehen.

Der Wunsch, zu einem anderen Hund zu gelangen, bedeutet allerdings nicht automatisch, dass ein direkter Kontakt freundlich oder sinnvoll verlaufen würde. Ein Hund kann sich annähern wollen, um den anderen genauer einzuschätzen. Auch hohe Erregung kann dazu führen, dass eine Begegnung trotz sozialen Interesses schwierig wird.

Interesse und Unsicherheit können gleichzeitig auftreten

Nicht immer möchte ein Hund nur hin oder nur weg. Er kann an einem anderen Hund interessiert sein und sich gleichzeitig unwohl fühlen. Vielleicht zieht er zunächst in dessen Richtung, wird bei zunehmender Nähe aber steif, beginnt zu bellen oder versucht wieder Abstand herzustellen.

Annäherung ist deshalb kein sicherer Beweis dafür, dass ein Hund Kontakt möchte. Umgekehrt bedeutet Bellen nicht automatisch, dass er den anderen Hund grundsätzlich ablehnt. Seine Motivation kann sich während der Begegnung verändern.

Gerade bei solchen gemischten Reaktionen reicht es nicht, nur darauf zu achten, in welche Richtung der Hund zieht. Wichtig ist, wie sich sein gesamtes Verhalten entwickelt, wenn der Abstand kleiner oder größer wird.

Stress und Überforderung

Bellen kann Teil einer Stressreaktion sein. Stress entsteht, wenn ein Hund mit einer Situation körperlich oder emotional stark gefordert ist. Dabei muss nicht immer Angst im Spiel sein. Auch Aufregung, Frust, fehlende Erholung oder viele Reize in kurzer Zeit können einen Hund belasten.

Stress kann sich aber auch über den Tag hinweg ansammeln. Eine unruhige Nacht, eine aufregende Autofahrt, mehrere schwierige Begegnungen oder vorheriges Jagdverhalten können dazu führen, dass der Hund bereits angespannt in die nächste Situation geht. Ein anderer Hund ist dann möglicherweise nur der letzte Reiz, auf den er mit Bellen reagiert.

Das erklärt, warum ein Hund nicht immer gleich reagiert. An manchen Tagen läuft er ruhig an einem Artgenossen vorbei. An anderen Tagen bellt er bereits auf größere Entfernung. Nicht nur der andere Hund ist entscheidend, sondern auch der Zustand, in dem sich der eigene Hund befindet.

Aufregung und soziale Erregung

Nicht jedes Bellen bei einer Hundesichtung entsteht aus Angst oder Frust. Manche Hunde bellen, weil sie stark aufgeregt sind. Das kann bei der Begegnung mit einem bekannten Hund, während des Spiels oder schon in Erwartung eines Kontakts auftreten.

Auch positiv erlebte Situationen können mit so viel Erregung verbunden sein, dass ruhiges Verhalten schwerfällt. Der Hund muss den anderen dabei weder vertreiben wollen noch durch die Leine frustriert sein. Das Bellen kann Teil seines stark erregten Verhaltens sein.

Ob die Erregung angenehm oder belastend ist, lässt sich nicht allein am Klang des Bellens erkennen. Dafür müssen auch die Körpersprache, der Verlauf der Begegnung und das Verhalten nach dem Kontakt betrachtet werden.

Territoriales und ressourcenbezogenes Verhalten

Bellt ein Hund vor allem am Gartenzaun, vor der Haustür oder im Auto, kann territoriales Verhalten eine Rolle spielen. Der Hund reagiert dann nicht nur auf den anderen Hund, sondern auch darauf, wo die Begegnung stattfindet.

Auch eine wichtige Ressource kann das Verhalten beeinflussen. Dazu können Futter, Spielzeug, ein Liegeplatz oder ein Mensch gehören. Nähert sich ein anderer Hund, kann Bellen dazu dienen, ihn auf Abstand zu halten.

Erschrecken und Alarmverhalten

Taucht ein anderer Hund plötzlich hinter einer Ecke, einem Auto oder einer Hecke auf, bleibt wenig Zeit, die Situation einzuschätzen. Der eigene Hund kann erschrecken und unmittelbar bellen. Das gilt besonders, wenn die Entfernung bereits sehr gering ist.

Kleine Hunde haben eine niedrigere Sichtposition. Hindernisse können ihnen deshalb früher die Sicht nehmen. Sie bemerken einen entgegenkommenden Hund unter Umständen erst später als der Mensch am anderen Ende der Leine.

Auch Alarmverhalten ist möglich. Der Hund nimmt etwas Ungewohntes oder Auffälliges wahr und macht durch sein Bellen darauf aufmerksam. Was zunächst mit einzelnen überraschenden Situationen beginnt, kann sich durch Lernerfahrungen später auch auf andere Hundesichtungen übertragen.

Welche Lernerfahrungen beeinflussen das Bellen?

Hunde lernen nicht nur im Training. Sie lernen in jeder Situation, in der ihr Verhalten Folgen hat oder bestimmte Ereignisse regelmäßig gemeinsam auftreten. Deshalb kann sich Bellen entwickeln und festigen, ohne dass es bewusst trainiert wurde.

Ein Beispiel: Dein Hund bellt am Fenster, weil er einen vorbeilaufenden Hund sieht. Dieser Hund verschwindet kurz darauf. Aus Sicht deines Hundes kann es jetzt so wirken, als habe sein Verhalten den anderen vertrieben. Dass dieser ohnehin weitergelaufen wäre, kann der Hund nicht wissen. Wiederholt sich dieser Ablauf, kann das Bellen häufiger oder schneller auftreten.

Je nachdem, was für den Hund in diesem Moment wichtig ist, kann eine solche Folge dazu beitragen, dass er das Verhalten erneut zeigt. Viele dieser Abläufe entstehen im Alltag ganz automatisch. Lernerfahrungen können auf ähnliche Situationen übertragen werden.

Auch Erwartungen werden gelernt

Hunde lernen ebenfalls, welche Ereignisse aufeinander folgen. Wenn der Anblick eines anderen Hundes regelmäßig direkten Kontakt ankündigt, kann bereits die Sichtung starke Aufregung auslösen. Waren Begegnungen häufig unangenehm, kann ein anderer Hund dagegen früh Anspannung oder Unsicherheit hervorrufen.

Auch kleine Abläufe können zu solchen Ankündigungen werden. Dazu gehören ein bestimmter Weg, das Kürzernehmen der Leine, das Stehenbleiben des Menschen oder eine bestimmte Körperhaltung. Diese Signale müssen nicht die Ursache des Problems sein. Sie können für den Hund aber ankündigen, dass gleich eine schwierige oder besonders aufregende Situation folgt.

Mit der Zeit kann die Reaktion dadurch immer früher beginnen. Der Hund bellt dann vielleicht nicht mehr erst, wenn der andere Hund sehr nah ist, sondern bereits bei dessen Anblick.

Woran erkenne ich, warum mein Hund bellt?

Es gibt kein einzelnes Signal, an dem du den Grund sicher erkennen kannst. Auch die Lautstärke oder Tonlage des Bellens reicht dafür nicht aus. Beobachte möglichst die gesamte Situation und beginne nicht erst in dem Moment, in dem dein Hund bereits bellt.

Achte darauf, wann sich sein Verhalten verändert. Auch der weitere Verlauf liefert Hinweise. Ein einzelnes Verhalten liefert selten eine sichere Antwort. Wiederkehrende Muster können aber zeigen, unter welchen Bedingungen dein Hund Schwierigkeiten hat. Kurze Videoaufnahmen können bei der Auswertung hilfreich sein, sofern sie sicher und ohne absichtliche Provokation der Reaktion entstehen.

Was kann ich tun, wenn mein Hund andere Hunde anbellt?

Wenn du erkennst, dass eine Hundebegegnung zu schwierig wird, vergrößere möglichst früh den Abstand. Du kannst die Straßenseite wechseln, einen Bogen laufen, hinter einem Sichtschutz warten oder umkehren. Das ist kein gescheitertes Training. Du verhinderst damit, dass dein Hund immer wieder in Situationen gerät, die er noch nicht bewältigen kann.

Dein kleiner Hund muss nicht jede Begegnung aushalten und auch nicht jeden anderen Hund kennenlernen. Besonders bei großen, körperlich stürmischen Hunden darfst du das tatsächliche Verletzungsrisiko berücksichtigen. Läuft ein fremder Hund unkontrolliert auf euch zu und kannst du deinen Hund anders nicht schützen, darfst du ihn auch hochnehmen. Hochnehmen ist weder grundsätzlich falsch noch eine Lösung für jede Hundesichtung. Es ist eine mögliche Schutz- und Managementmaßnahme.

Training sollte dort stattfinden, wo dein Hund den anderen Hund wahrnehmen kann, ohne bereits vollständig in der Reaktion festzustecken. Je nach Ursache kann es darum gehen, freiwillige Orientierung zu dir, das Abwenden vom anderen Hund, ruhiges Beobachten oder ein vorher aufgebautes Alternativverhalten zu belohnen. Auch die Gefühle und Erwartungen gegenüber anderen Hunden können im Training eine Rolle spielen.

Welche Vorgehensweise sinnvoll ist, hängt davon ab, warum dein Hund bellt.

Schimpfen, Leinenrucke oder körperlicher Druck können das Bellen kurzfristig unterbrechen. Sie lösen aber nicht automatisch das Problem, das hinter dem Verhalten steht. Fühlt sich dein Hund beim Anblick eines Artgenossen bereits unwohl, kann die zusätzliche unangenehme Erfahrung die Situation weiter verschärfen.

Mehr dazu findest du in meinem Artikel „Hunde machen das untereinander auch“ – warum körperlicher Druck keine Hundekommunikation ist.

Warum bellt mein kleiner Hund denn nun?

Wie du siehst, gibt es auf diese Frage keine pauschale Antwort. Bellen und Hundeverhalten sind komplex, und häufig wirken mehrere Faktoren zusammen. Deshalb ist es wichtig, nicht nur auf das Bellen selbst zu schauen, sondern die gesamte Situation zu betrachten. Je besser du die Zusammenhänge erkennst, desto passender kannst du deinen Hund unterstützen und das Training gestalten.

Auch wenn du vom Bellen verständlicherweise manchmal genervt bist, denk daran: Bellen gehört zum normalen Verhalten von Hunden und kann Teil ihrer Kommunikation sein. Es zeigt, dass dein Hund sich in diesem Moment mit etwas auseinandersetzt. Es geht daher nicht nur darum, das Bellen abzustellen, sondern zunächst darum, zu verstehen, was dahintersteckt.

Quellen und weiterführende Literatur

Foto von FCA

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Ich bin Janina, Ernährungsberaterin für Hunde und angehende Hundetrainerin.

Durch meine eigenen Hunde habe ich gelernt, dass das echte Leben mit Hund selten so aussieht wie auf Instagram. Für mich geht es nicht um Perfektion, sondern um ehrliche Momente, individuelle Bedürfnisse, faire Erwartungen und darum, den eigenen Hund wirklich zu verstehen.

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