Inhaltsverzeichnis

Eine Blutuntersuchung kann wichtige Hinweise auf Erkrankungen, Organfunktionen oder konkrete Auffälligkeiten geben. Sie kann jedoch nicht zuverlässig belegen, dass dein Hund durch seine tägliche Fütterung mit allen Nährstoffen bedarfsdeckend versorgt ist. Ein Hund kann über längere Zeit unausgewogen ernährt werden, ohne dass sich dies sofort in den üblichen Blutwerten zeigt. In diesem Artikel möchte ich dir erklären, warum unauffällige Blutwerte nicht automatisch bedeuten, dass die Fütterung deines Hundes ausgewogen ist.

Was können Blutwerte zeigen und was nicht?

Eine Blutuntersuchung kann wichtige Hinweise auf den Gesundheitszustand deines Hundes geben. Sie kann beispielsweise dabei helfen, Erkrankungen, Entzündungen, Veränderungen der Organfunktion oder bestimmte Stoffwechselstörungen zu erkennen.

Ob die tägliche Fütterung alle benötigten Nährstoffe in der richtigen Menge liefert, lässt sich aus den Blutwerten jedoch nicht direkt ablesen. Wird ein bestimmter Nährstoff untersucht, hängt der gemessene Wert nicht allein von seiner Aufnahme über das Futter ab. Auch körpereigene Speicher, hormonelle Regulationsmechanismen, die Aufnahme im Darm, die Verteilung im Körper, die Ausscheidung und mögliche Erkrankungen können den Wert beeinflussen.

Warum können Blutwerte trotz einer unzureichenden Versorgung unauffällig sein?

Das Blut ist kein vollständiges Abbild der Nährstoffvorräte des Körpers. Viele Nährstoffe werden gespeichert, zwischen verschiedenen Geweben verschoben oder durch hormonelle Regelmechanismen innerhalb bestimmter Grenzen gehalten.

Ein gutes Beispiel dafür ist Calcium. Der Körper benötigt eine möglichst stabile Calciumkonzentration im Blut, unter anderem für die Funktion von Muskeln und Nervenzellen. Wird über die Nahrung zu wenig Calcium aufgenommen, versucht der Organismus deshalb zunächst gegenzusteuern. Dabei kann Calcium aus dem Skelett mobilisiert werden.

Der Calciumwert im Blut kann dadurch weiterhin im Normbereich liegen, obwohl die Fütterung nicht genügend Calcium liefert. Der Körper hält in diesem Fall die Calciumkonzentration im Blut stabil. Die unzureichende Calciumzufuhr besteht jedoch weiterhin und kann langfristig zulasten der Knochen gehen.

Wenn du Hundefutter besser verstehen möchtest, empfehle ich dir meinen 30-minütigen Onlinevortrag „Hundefutterverstehen“.

Eine Fehlversorgung kann lange unentdeckt bleiben

Eine unzureichende Zufuhr macht sich nicht zwangsläufig sofort bemerkbar. Wie lange der Körper sie ausgleichen kann, hängt stark vom jeweiligen Nährstoff ab. Entscheidend sind unter anderem:

  • die vorhandenen Körperspeicher,
  • das Ausmaß der Unterversorgung,
  • die Dauer der unausgewogenen Fütterung,
  • Alter und Lebensphase,
  • Erkrankungen und individuelle Verwertung.

Bei manchen Nährstoffen kann eine Fehlversorgung über Monate oder sogar Jahre bestehen, bevor deutliche Beschwerden erkannt werden. Der Organismus kann eine unzureichende Zufuhr je nach Nährstoff zunächst durch körpereigene Speicher und Regulationsmechanismen teilweise kompensieren. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Versorgung während dieser Zeit ausreichend ist.

Bei Welpen und Junghunden kann es dagegen deutlich schneller gehen. Während des Wachstums ist der Bedarf an bestimmten Nährstoffen besonders hoch. Eine unzureichende Versorgung mit Calcium oder Vitamin D sowie ein ungünstiges Calcium-Phosphor-Verhältnis können bereits innerhalb vergleichsweise kurzer Zeit zu schwerwiegenden Störungen der Knochenentwicklung führen.

Kann sich ein Mangel innerhalb weniger Wochen wieder bessern?

Wird eine Fehlversorgung erkannt und die Fütterung gezielt korrigiert, kann sich der Gesundheitszustand je nach betroffenem Nährstoff bereits innerhalb weniger Wochen bessern. Wie schnell sich ein Hund erholt, hängt jedoch von der Dauer und dem Ausmaß der Fehlversorgung sowie von den bereits entstandenen gesundheitlichen Folgen ab.

Eine erste Besserung bedeutet außerdem nicht zwangsläufig, dass sämtliche Körperspeicher wieder aufgefüllt oder Veränderungen an Knochen, Muskeln und anderen Geweben vollständig behoben sind. Die Regeneration kann deutlich länger dauern. Manche Schäden sind möglicherweise nicht vollständig rückgängig zu machen.

Was sagen sogenannte BARF-Nährstoffprofile aus?

Vor allem im Zusammenhang mit selbst zusammengestellten oder rohen Rationen werden teilweise spezielle Blutprofile angeboten. Dabei werden verschiedene Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente oder andere Parameter untersucht, um die Fütterung zu beurteilen.

Eine Untersuchung der Ludwig-Maximilians-Universität München verglich bei 104 Hunden die rechnerisch ermittelte Nährstoffversorgung mit den Ergebnissen eines solchen Blutprofils. Die Mehrheit der Hunde erhielt selbst zusammengestellte rohe Rationen. Die Rationsberechnungen zeigten bei vielen Hunden Abweichungen von den zugrunde gelegten Versorgungsempfehlungen. In den Blutwerten spiegelten sich diese Abweichungen für die meisten untersuchten Parameter jedoch nicht zuverlässig wider.

Die Studie untersuchte speziell roh gefütterte Hunde. Ihre Ergebnisse lassen sich daher nicht ohne Weiteres auf jede andere Fütterungsform übertragen. Das grundlegende Problem bleibt jedoch bestehen: Aus einem unauffälligen Blutprofil lässt sich nicht ableiten, dass eine selbst zusammengestellte Rezeptur tatsächlich alle benötigten Nährstoffe liefert.

Sind gezielte Nährstoffuntersuchungen trotzdem sinnvoll?

Eine gezielte Blutuntersuchung kann bei einer konkreten medizinischen Fragestellung sehr wichtig sein. Je nach Symptomen, Erkrankung und tierärztlichem Verdacht können beispielsweise Vitamin B12, Folsäure, Eisenparameter, Vitamin-D oder Taurin untersucht werden. Solche Untersuchungen können Hinweise auf einen Mangelzustand, eine gestörte Aufnahme, erhöhte Verluste oder andere Stoffwechselveränderungen liefern.

Gezielte Laboruntersuchungen können je nach Symptomen und tierärztlicher Fragestellung ein wichtiger Teil der Diagnostik sein. Sie können dabei helfen, Hinweise auf Erkrankungen, eine gestörte Aufnahme, erhöhte Verluste oder bestimmte Stoffwechselveränderungen zu erhalten. Sie ersetzen jedoch keine Betrachtung der gesamten Fütterung.

Tierärztliche Diagnostik und Fütterungsüberprüfung haben unterschiedliche Aufgaben

Eine tierärztliche Untersuchung und eine ernährungswissenschaftliche Überprüfung der Ration stehen nicht in Konkurrenz zueinander. Ich persönlich halte eine Zusammenarbeit für äußerst wichtig. Tierärztliche Untersuchungen und Ernährungsberatungen beantworten unterschiedliche Fragen.

Die tierärztliche Diagnostik untersucht, ob Erkrankungen oder gesundheitliche Veränderungen vorliegen. Blutuntersuchungen können beispielsweise Hinweise auf eine veränderte Organfunktion, Entzündungen, Blutarmut oder bestimmte Stoffwechselstörungen geben.

Die Ernährungsberatung oder Rationsüberprüfung beschäftigt sich dagegen damit, was der Hund tatsächlich aufnimmt:

  • Welches Hauptfutter bekommt er?
  • Wie viel davon frisst er wirklich?
  • Welche Snacks, Kauartikel und Ergänzungen kommen hinzu?
  • Passt die Energiezufuhr zu seinem Bedarf?
  • Liefert die gesamte Ration die benötigten Nährstoffe?
  • Ist eine selbst zusammengestellte Fütterung ausgewogen berechnet?

Eine Rationsberechnung kann keine Erkrankung diagnostizieren. Eine Blutuntersuchung kann umgekehrt nicht zeigen, ob eine Futterration vollständig und bedarfsdeckend zusammengestellt ist.

Was gehört zu einer umfassenden Ernährungsbeurteilung?

Eine sinnvolle Beurteilung der Ernährung betrachtet nicht nur Laborwerte oder einzelne Zutaten.

Der deutschsprachige Leitfaden zur Ernährungsbeurteilung der World Small Animal Veterinary Association, der auf der Website des Bundesverbandes Praktizierender Tierärzte bereitgestellt wird, berücksichtigt Faktoren des Tieres, der Nahrung, des Fütterungsmanagements und der Umwelt.

Dazu gehören beispielsweise:

  • Alter, Lebensphase und Aktivität,
  • Gewichtsentwicklung,
  • Körper- und Muskelzustand,
  • Erkrankungen und Medikamente,
  • das verwendete Hauptfutter,
  • die tatsächlich gefressene Menge,
  • Snacks, Kauartikel und Ergänzungen,
  • selbst gekochte oder rohe Bestandteile,
  • Fressverhalten und Verträglichkeit.

Erst aus der gemeinsamen Betrachtung dieser Informationen ergibt sich ein sinnvolles Bild.

Wie lässt sich die Nährstoffversorgung überprüfen?

Bei einem Fertigfutter sollte zunächst geprüft werden, ob es als Alleinfuttermittel für Hunde und für die entsprechende Lebensphase vorgesehen ist. Wichtig ist aber auch die tatsächlich gefressene Menge. Ein für Hunde und die jeweilige Lebensphase geeignetes Alleinfuttermittel ist dafür vorgesehen, bei einer zum Energiebedarf passenden Fütterungsmenge alle erforderlichen Nährstoffe zu liefern. Frisst ein Hund dauerhaft nur einen Teil der vorgesehenen Tagesration, sollte deshalb geprüft werden, welche Energie- und Nährstoffmengen er tatsächlich aufnimmt. Auch größere Mengen an Snacks, Kauartikeln oder zusätzlichen Lebensmitteln können die Gesamtration verändern.

Was die Bezeichnung Alleinfuttermittel genau bedeutet und warum sie allein noch nicht alle Fragen beantwortet, erkläre ich ausführlicher in meinem Beitrag Alleinfuttermittel für Hunde: Was bedarfsdeckend wirklich bedeutet

Bei selbst zusammengestellten Rationen müssen alle Bestandteile mit ihren jeweiligen Mengen erfasst werden. Dazu gehören nicht nur Fleisch, Gemüse oder Kohlenhydratquellen, sondern auch Öle, Mineralstoffmischungen, Vitaminpräparate und weitere Ergänzungen. Erst durch eine rechnerische Überprüfung lässt sich beurteilen, ob die Ration ausreichend Energie, Protein, essenzielle Aminosäuren, Fettsäuren, Mineralstoffe, Spurenelemente und Vitamine liefert.

Zusätzlich sollten Gewicht, Körperzustand, Muskulatur, Fressverhalten, Verträglichkeit und gesundheitliche Veränderungen im Verlauf beobachtet werden. Eine Ration muss nicht nur rechnerisch passen, sondern auch in der vorgesehenen Menge gefressen und vom individuellen Hund vertragen werden.

Zusammenfassung: Gute Blutwerte sind kein Nachweis für eine ausgewogene Fütterung

Unauffällige Blutwerte sind zunächst erfreulich. Sie bedeuten aber nicht automatisch, dass ein Hund mit allen Nährstoffen bedarfsdeckend versorgt ist.

Eine unzureichende Versorgung kann je nach Nährstoff lange bestehen, bevor eindeutige Beschwerden oder auffällige Laborwerte auftreten. Teilweise bleiben Veränderungen über Monate oder Jahre unentdeckt. Nach einer gezielten Korrektur können sich einzelne Beschwerden oder Laborveränderungen dagegen mitunter bereits innerhalb weniger Wochen bessern. Wie schnell sich die Folgen einer Fehlversorgung entwickeln oder zurückbilden, lässt sich jedoch nicht pauschal sagen.

Blutuntersuchungen sind wichtig, um Erkrankungen und konkrete gesundheitliche Auffälligkeiten zu erkennen. Ob die gesamte Fütterung ausgewogen ist, lässt sich vor allem beurteilen, indem genau betrachtet wird, was der Hund tatsächlich frisst. Bei selbst zusammengestellten Rationen ist dafür eine rechnerische Überprüfung notwendig.

Du möchtest die Fütterung deines Hundes überprüfen lassen?

Bei meinem Futtercheck und der Rationsüberprüfung betrachte ich die gesamte Fütterung deines Hundes: vom Hauptfutter und der tatsächlich gefressenen Menge bis zu Snacks, Kauartikeln und Ergänzungen. Du erhältst eine fachlich begründete, herstellerunabhängige und verständliche Einschätzung dazu, ob die aktuelle Fütterung zu deinem Hund und seiner individuellen Situation passt. 

Quellen und weiterführende Literatur

Titelfoto: Pexels

Hundeernährungsberatung, Hundetraining, Münster, online

Schön, dass du da bist!

Ich bin Janina, Ernährungsberaterin für Hunde und angehende Hundetrainerin.

Durch meine eigenen Hunde habe ich gelernt, dass das echte Leben mit Hund selten so aussieht wie auf Instagram. Für mich geht es nicht um Perfektion, sondern um ehrliche Momente, individuelle Bedürfnisse, faire Erwartungen und darum, den eigenen Hund wirklich zu verstehen.

Wenn du Lust auf unaufgeregte Informationen rund um Hundeernährung, Hundetraining und den Alltag mit Hund hast, bist du hier genau richtig.

Schön, dass du hier bist. Wenn du Fragen hast, schreib mir gern.